Von Markt, Verantwortung und Leistung: Die Märchen der Abzocker

Eigentlich, so könnte man meinen, sollten sie ja etwas gelernt haben. Die Politiker, die Banker und die Aufsichtsbehörden. Eigentlich sollte es doch jedem klar sein, der über einen Rest gesunden Menschenverstand verfügt: Gleich wie vor der Finanzkrise kann und darf es nicht weiter gehen. Passiert ist aber das Gegenteil. Die Abzocker-Manager bedienen sich weiter schamlos: Daniel Vasella (Novartis) zockt über 40 Millionen ab, Brady Dougan (CS) 19.2 Mio., Oswald Grübel (UBS) 16.1 Mio. Die Abzocker und ihre politischen Wasserträger (FDP, CVP, SVP) rechtfertigen diese jenseitigen Löhne vor allem mit drei Argumenten: Markt, Verantwortung und Leistung.

Der Markt: „Die Unternehmen müssen so hohe Löhne zahlen weil sonst die besten Manager abwandern. Der Markt macht die Löhne!“

Die Hans-Böckler-Stiftung hat nachgerechnet und geschaut, wie viele Chefs der jeweils 100 grössten Firmen tatsächlich aus dem Ausland kommen: In Grossbritannien sind es 16, in Deutschland 9, in den USA 5, in Frankreich, Japan und Korea je 2. Der hochmobile globale Manager, der von einem Tag auf den anderen den Multi wie seine Unterwäsche wechselt, gehört ins Reich der Mythen. Das zeigt: Nicht anonyme Markt-Mechanismen sind für die Höhe der Gehälter entscheidend, sondern persönliche Macht-Netzwerke. Als Top-Manager kennt man sich, gerade in der kleinen Schweiz. Und wenn man sich persönlich schätzt, beruft man sich auch gegenseitig in die Verwaltungsräte. Ganz nebenbei kann man so auch sicher sein, dass im Kreise von Gleichgesinnten über die richtigen Löhne befunden wird. So sitzen zum Beispiel die aktuellen und ehemaligen Chefs und Topmanager von Fiat, BP, ABB, Swiss Life, Swiss Re, Zurich, Microsoft, Bayer, Morgan Stanley u.a. im Verwaltungsrat der UBS und segnen die Millionenboni für Grübel und Co ab.

Die Verantwortung: „Die Manager verdienen so viel, weil sie eine solch enorme Verantwortung tragen!“

Verantwortung hat etwas mit Risiko zu tun. Nur wer das Risiko hat, etwas zu verlieren oder für Fehler eben „zur Verantwortung gezogen“ zu werden, trägt Verantwortung. Für die Topmanager trifft keines zu. Anders als der kleine Unternehmer, der sich für seine Bude mit seinem eigenen Vermögen hoch verschuldet, tragen sie überhaupt kein Risiko. Sie tätigen ihre Geschäfte mit fremdem Geld, nämlich dem der Aktionäre und von unseren Pensionskassen. Und wenn es dann in die Hose geht, macht das auch nichts. Schliesslich zahlt ja dann wie bei der UBS der dumme Staat oder man kann einfach Stellen abbauen und mit einer Abgangsentschädigung verschwinden. Und noch etwas. Die Bundesrätinnen und Bundesrätin verdienen 430’000 Franken im Jahr – die grösste Verantwortung überhaupt in diesem Land liegt auf ihren Schultern. Wenn wir Löhne mit Verantwortung begründen, gibt es keinen Grund, warum irgendjemand mehr verdienen sollte als ein Bundesrat.

Von Leistung: „Die Manager verdienen so viel, weil sie so viel leisten!“

Was ist Leistung und wie kann man sie messen? Vor allem bei den Banken sind die so genannten Leistungsprämien (also Boni) oft vom Gewinn der Unternehmung abhängig. Es ist erstens gerade im Finanzmarkt heute unmöglich geworden, den Beitrag einer einzelnen Person zum Gesamterfolg zu bestimmen. Meistens hängt daher gerade in den Grossbanken der Lohn mehr von der Funktion und der Stelle als von der Leistung ab. Das sagt nicht irgendeiner, sondern der ehemalige CEO der Deutschen Bank Schweiz. Zweitens hat auch der Tag des Managers 24 Stunden und die Woche sieben Tage. Natürlich arbeiten sie hart. Das tut aber jeder Bauarbeiter auch. Seine Arbeit ist sogar so beschwerlich, dass er durchschnittlich bereits mit 67 Jahren stirbt – Manager haben eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Die Sauerei an der Sache ist, dass je mehr sich die oben nehmen, desto weniger bleibt für alle anderen übrig. Das ist ungerecht. Aber Abzockerei ist kein Naturgesetz. Sondern die Folge einer falschen Politik von falschen VolksvertreterInnen. Die können wir ändern. Es ist darum höchste Zeit die 1:12 Initiative der Jusos zu unterschreiben. Sie will, dass niemand im gleichen Unternehmen in einem Monat mehr verdient, als ein anderer in einem ganzen Jahr.

Dieser Artikel ist als Kolumne in der Mittelland Zeitung erschieben, 31.3.2010.

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