Wer ist Schuld an der hohen „Ausländerkriminalität“? Meine Grossmutter!

189266Die SVP wirft im Abstimmungskampf um die „Druchsetzungsinitiative“ einmal mehr mit aller Hand Zahlen um sich, die beweisen sollen, dass Ausländerinnen und Ausländer krimineller seien als Schweizerinnen und Schweizer. Ich bin immer wieder überrascht, wie schwierig sich die Initiativgegner_innen tun, auf dieses Argument zu antworten. Erstens: Es geht überhaupt nicht darum. Für Straftaten gibt es das Strafgesetzbuch. Das „Argument“ hat mit der Initiative überhaupt nichts zu tun. Punkt.

Will man trotzdem etwas sagen, so ist, zweitens, an der vermeintlich so hohen Ausländerkriminalität ganz einfach meine Grossmutter schuld. Ohne Witze. Warum? Nun, die Dame ist 93jährig und wohnt in einem Altersheim. Sie ist geistig absolut fit, hat aber körperliche Beschwerden. Ihr Aktionsradius beträgt vielleicht noch 50 Meter um das Altersheim herum. Tatsächlich hat die Dame relativ selten Gelegenheit staffällig zu werden. Sie drückt aber in jeder Statistik, in der die Kriminalität der „Schweizer_innen“ gemessen wird den Schnitt nach unten. Umgekehrt ist die ausländische Bevölkerung in der Schweiz gegenüber dem allgemeinen Durchschnitt männlicher und jünger. Das leuchtet auch ohne Statistik ein: Es reisen z.B. über das Personenfreizügigkeitsabkommen vor allem junge Menschen ein und selten pensionierte Grosseltern, die suchen ja keinen Job mehr. Und auch unter Flüchtlingen ist logischer der Anteil junger, gesunder Männer überproportional hoch, weil sie den körperlichen Strapazen der Flucht wohl am besten gewachsen sind.  Und genau dies, Mann und jung, sind weltweit die auffälligsten Merkmale aller Straftäter_innen.

Wer es detaillierter haben will, dem oder der seinen dieser Artikel in der NZZ empfohlen und dieser Beitrag auf dem Datablog des Tagesanzeigers.

4 Kommentare zu Wer ist Schuld an der hohen „Ausländerkriminalität“? Meine Grossmutter!

  1. Ruedi Meier

    Straftäter
    Die Statistik zeigt, bei uns wohnen und leben knapp ein Viertel Ausländer. Im Strafvollzug sitzen knapp drei Viertel Ausländer ein. Gehen wir mal davon aus, dass die Schweizer und die hier lebenden Ausländer gleich kriminell sind. Wenn also von 100 Strafgefangenen 72 Ausländer sind ergibt das 28 Schweizer Strafgefangene. Da die Ausländer nur einen Viertel der Bevölkerung ausmachen bedeutet das bei gleicher Kriminalität 28/4=7. Wenn man das zusammenzählt kommen wir auf 28+7=35 Straftäter anstatt 100. Ja sind den die fehlenden 65 alles Schengen-Kriminaltouristen. Das würde ja heissen wir sind punkte Sicherheit bei der Schengenabstimmung total fehlinformiert worden!
    Altersgruppen Statistik 2013: -24J 26%, 25-34J 38%, 35-44J 21% Ü44 15%,   CH 28%, Ausl 72%. 
    Ruedi Meier

    1. Rebekka Hitchcock

      Mit Zahlen der Gefängnisinsassen zu rechnen, verzerrt das Bild vollends. Denn viele der ausländischen Insassen sitzen ein wegen Zuwiderhandlung gegen das Ausländergesetz, was einem Schweizer ja nicht passieren kann. Z.B. 2 Jahre Durchsetzungshaft, weil jemand das Land nicht verlassen kann (z.B. fehlende Papiere) oder will (alle möglichen Gründe)… Diese Ausländer haben nix weiter getan als im falschen Land geatmet, müssen aber wieder und wieder als Beweis für die angebliche kriminellen Ausländer hinhalten.

  2. Ruedi Meier

    Da ist mir noch ein kleiner Rechnungsfehler unterlaufen. Bei uns leben 3x so viele Schweizer wie Ausländer, dem zu Folge lautet die Rechnung 28/3*4= 36,33. Ergo haben wir 63,66 Kriminaltouristen staatlich beherbergt.

  3. Daniel

    Mann o Mann… man kann die Statistik drehen wie man es selbst sehen möchte!
    Tatsache ist doch, wenn jemand als ausländischer Gast oder Besucher hier bei uns kriminell ist, dann hat er hier ganz einfach NICHTS ZU SUCHEN! Ob das 1 ist aus 100 oder 60 aus 100 spielt dabei keine Rolle.

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