Gemeinsamen gegen sexuelle Gewalt: Das Schweigen brechen, Verantwortung übernehmen, politisch Handeln!

In den letzten Tagen machen mutige Frauen* auf den sozialen Medien auf die Realität von Sexismus und sexueller Belästigung aufmerksam , auch in der Schweiz (#MeToo, #balancetonporc). Es ist nicht die erste Aktion dieser Art und wird – leider – nicht die letzte sein. Sexismus und Frauen*verachtung haben eine lange Geschichte und unschöne Tradition. Sie sind tief in die Strukturen, die Psychologie und die Rollenbilder unserer Gesellschaften eingeschrieben. In der Schweiz wie praktisch überall auf der Welt. Damit müssen wir uns, als Männer*, endlich ernsthaft beschäftigen.

Gewiss, die wenigsten von uns sind was das angeht ohne Fehler, auch wir nicht. Genau deshalb ist es unsere Verantwortung, dass wir uns ernsthaft mit der patriarchalen und sexistischen Realität auseinander zu setzen und das Schweigen der Männer* rechen. Es geht darum, zu verstehen, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe etwas mit dem Sexismus in unserer Gesellschaft zu tun haben, mit dem Rollenbild, das unsere Gesellschaft von Frauen* hat, wie wir unsere Gesellschaft organisieren. Seit Jahren engagieren sich Frauen* gegen sexuelle Gewalt. Ihre Stimmen wurden kaum gehört, ihre Wort nicht ernst genommen. Warum braucht es einen Skandal im fernen Hollywood, damit auch hierzulande Medien und Öffentlichkeit endlich die Realität der tagtäglichen Gewalt ernst nehmen? Das müssen wir ändern. In der Erziehung unserer Kinder, im Bildungssystem, in der Wirtschaft, in der Politik, in der Kultur. Überall dort, wo die Strukturen der Macht eine gleichberechtigte Gesellschaft nach wie vor verhindern. Packen wir es an!

Der Kampf gegen Sexismus beginnt nicht zuletzt im Kopf von uns Männern*. In der Art, wie wir umgehen mit Freundinnen und Freunden, Söhnen und Töchtern, Berufskolleginnen und Berufskollegen, Partnern und Partnerinnen, Frauen* und Männern*. Und er muss dort enden, wo wir unsere Gesellschaft auf politischem Wege von sexistischen Strukturen befreien müssen. Wir richten diesen Appell an uns selbst und die Männer* in diesem Land: Der Kampf gegen Sexismus und Gleichberechtigung ist auch unser Kampf. Auch wird werden in machistische Stereotypen und Rollen gedrängt, die wir nicht mehr spielen wollen.

Wir sind wütend auf eine Gesellschaft, die die Gewalt nach wie vor zulässt. Wir begrüssen den Mut all’ jener Frauen* und Männer*, die sich wehren und verurteilen all’ jene vehement – Frauen* und Männer* – die jetzt aus Opfern Täter*innen machen. Wir fordern die Politik zum Handeln auf. Wir brauchen endlich Taten nicht nur gegen sexuelle Gewalt, sondern für eine gleichberechtigte Gesellschaft. Wir fordern, dass unser Bildungssystem die Gleichberechtigung von Frauen* und Männern* zu einem Schwerpunkt macht. Wir fordern endlich konkrete Massnahmen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit Erwerbs- und Care-Arbeit endlich gerecht geteilen werden können. Wir wollen, dass unsere Freund*innen endlich in den Ausgang können, ohne belästigt zu werden. Wir wollen, dass unsere Töchter gleichviel verdienen wie unsere Söhne und die gleichen Perspektiven im Leben haben. Wir wollen, dass Gewalt gegen Frauen* und sexuelle Belästigungen endlich ein Ende haben. Dafür wollen wir Verantwortung übernehmen und rufen alle Männer* auf, es mit uns zu tun.

Unsere Generation hat es in der Hand, eine andere Schweiz zu schaffen. Machen wir Schluss mit Machismus und Sexismus.

Mathias Reynard (Nationalrat Kanton Wallis) und Cédric Wermuth (Nationalrat Kanton Aargau)

Dieser Text wurde auf französisch hier publiziert.

6 Kommentare zu Gemeinsamen gegen sexuelle Gewalt: Das Schweigen brechen, Verantwortung übernehmen, politisch Handeln!

    1. Eliane Hangartner

      Was ist importiert, das Problem der sexuell motivierten physischen und psychischen Belästigung???
      Okay, dann habe ich mir die letzten 30 Jahre wohl nur eingebildet, dass ich geschätzt 10’000x schon von Männern mehr oder weniger gravierend, dennoch klar belästigt worden bin, hier in der Schweiz? – Danke, Tyoen wie Du, unabhängig davon, ob Du selber ein Belästiger bist, sind Teil des Problems!

  1. Doblies Rose

    Seit Jahren verweise ich darauf hin, (wie viele andere auch), spreche mit Menschen, schreibe, komponiere gegen häusliche Gewalt, gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz und anderswo. Vielleicht habe ich im Kleinen schon etwas bewirkt. Ich hoffe.
    Respekt heisst das Wort!
    Wenn Väter und Mütter, ja, erwachsene Personen Respekt und Achtung dem Gegenüber, den Kindern vorleben, bekommt es diese Werte mit. Das heisst, das Kind wird ganz zuerst geachtet und geliebt und lernt, sich als etwas sehr Wertvolles zu betrachten und zu lieben.

    Der Erwachsene ist immer verantwortlich für sein Handeln!

    Werden die Grenzen beim Kinde von Anfang an überschritten, heisst das: Einengung, Verkrampfung, Manipulation, (z.T. sind es sehr subtile Manipulationen), Schmerz, viel Leid und führt nicht selten zu einem Teufelskreis.

    Alle sind wir gefordert, zu sehen, zu reden, zu handeln und zu verändern!
    Wir dürfen Machtausüber, Missbraucher nicht mehr so weitermachenlassen! Deshalb brauchen wir gute, ehrliche, klare, korruptfreie und intelligente AnwältInnen, PsychologInnen, Psychiater, Richterinnen und Richter.
    „La voix de Rose“

  2. claude-bettina anhoeck

    ich wäre wirklich froh es würde sich einmal ein Politiker, oder Politikerin anhören, was ich unterwegs so alles an sexistischem Erleben, Erdulden, Aushalten musste. Denn meiner Meinung nach sind genau dort wo Instanzen sich für demontierte Frauenexistenzen einsetzen müssten, immer noch den stark verankerten Mustern unterworfen – sie merken es nicht einmal. Denn in einem KMU Land kann es nicht sein, dass z.B. bei GmbHs – Gewalt, Sexismus, Unterdrückung, Demontieren kein Thema ist – Frau selber Schuld, weil sie sich angeblich den falschen Gesellschafter an die Seite holte. Es muss etwas ändern, denn heute sollten auch Frauen ein Recht auf innovative Ideen, auf ihr eigenes kleines Unternehmen haben, ohne dass sie permanent männlichen Vorstellungen gehorchen müssen, oder gar sich unterwerfen…

  3. Ruedi Meier

    Obschon ich bereits Ende 60 bin, war für mich seit jeher die Gleichberechtigung der Frau eine Selbstverständlichkeit. Klar gab es immer sexuelle Übergriffe, aber sie waren zu meiner Jugendzeit in den 50er Jahren bei weitem nicht so an der Tagesordnung wie das heute der Fall ist.
    Vor einem halben Jahrhundert war Sex allerdings auch nicht öffentliches Alltagsthema in aller Mund und vor allem den Medien. Heute gibt es ja kaum mehr einen Fernsehkrimi in dem nicht eine möglichst detailreiche Sequenz Sex gezeigt werden. Diese erotischen sowie auch die brutalen Szenen in diesen Filmen werden von Mal zu Mal detailreicher – eine Beleidigung und Degradierung für unser Vorstellungsvermögen.
    Wie bezeichnen wir eigentlich den Akt unserer «Vorzeigemarxistin» Funiciello, als sie mit ihren Genossinnen zusammen die BH-Verbrennung inszenierte und sich entsprechend öffentlich entblössten? Ist das sexistisch, öffentliches Ärgernis, ein Verstoss gegen ethische Grundsätze, jugendlicher Übermut oder gar Kunst?? Eines haben wir aber inzwischen gelernt – wenn jemand eine Parallele der entblössten Tamara zum Michelin Männchen entdeckt, ist das sexistisch und primitiv.
    Was ich überhaupt nicht verstehe, dass an der heutigen Situation vorwiegend der Mann schuld sein soll. Wenn ich Tag für Tag sehe in was für äusserst provokativem Outfit viele junge Frauen sich auf die Strasse und zur Arbeit machen. Wenn eine Frau elegant oder reizend angezogen ist bezeichne ich das als perfekt. Wenn sie aber aufreizend daherkommt, soll sie bitte auch eingestehen, dass sie das andere Geschlecht aus der Reserve holen will und soll sich nicht wundern, wenn das unpassende Reaktionen provoziert.
    Das ganze Machogehabe, wie wir das heutzutage haben, kannte man früher so nicht. Vieles davon ist auch importiert aus mediterranen und arabischen Ländern, der Ausdruck Macho inbegriffen. Wer schon mal längere Zeit in Spanien oder Lateinamerika gelebt hat, weiss dass die kleinen Buben von ihren Müttern und Schwestern zu Machos gemacht werden, auf welche sie dann sehr stolz sind. Wir sind ja ein Land mit hohem Ausländeranteil, da färbt schon einiges ab.
    Ich glaube ein grosser Teil, wenn nicht der grösste aller sexuellen Übergriffe finden nach Mitternacht statt. Zu meiner Jugendzeit, ging man bis maximal zur Polizeistunde um 0:30Uhr in den Ausgang, danach war Schluss. Heutzutage beginnen ja die Partys erst um diese Zeit. Weshalb die 2. Nachthälfte besser ist zum Festen, als die Stunden vor Mitternacht, leuchtet mir heute noch nicht. Durch die Verschiebung auf die 2. Nachthälfte, leben wir nicht nur unökologischer, sondern provozieren auch mehr kriminelle und sexuelle Übergriffe.
    Möchte mit folgendem Satz schliessen:» Jeder sexuelle Übergriff ist einer zu viel, jede sexuell motivierte Provokation seitens der Frauen aber auch!»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.