Internationaler Aufruf für die Respektierung des demokratischen Willens in der Republik Kosovo

KosovoInternationaler Aufruf für die Respektierung des demokratischen Willens in der Republik Kosovo

Die Unterzeichnenden nehmen mit wachsender Besorgnis die politischen Entwicklungen der letzten Tage in der Republik Kosovo zur Kenntnis. Sie warnen eindringlich davor, die ausserordentliche Lage auf Grund des Coronavirus für politische Schachzüge zu missbrauchen, die dem Land, seinem Ansehen und dem Weg von Demokratie und Freiheit Schaden zufügen würden.

Die Unterzeichnenden dieses Appells rufen alle beteiligten Akteure der kosovarischen Politik zu Ruhe und Besonnenheit auf. Die aktuelle Situation birgt eine hohe Eskalationsgefahr. Die Regierung aus Lëvizja Vetëvendosje LVV und Lidhja Demokratike e Kosovës LDK hat in einem dafür vorgesehen, regulären Verfahren das Vertrauen der Mehrheit des Parlaments verloren. Die schnelle Neubildung der Regierung inmitten der Covid19-Pandemie droht allerdings die noch fragilen Institutionen des Landes weiter zu unterminieren. Das Vertrauen in die politischen Anführer dieser Regierungsumbildung ist im In- und Ausland weitgehend zerstört. Jede Bildung einer neuen Regierung muss im Einklang mit der Verfassung der Republik Kosovo stehen und durch die Unterstützung einer demokratisch gewählten Mehrheit legitimiert sein.

Wir warnen deshalb eindringlich davor, diese Situation für politische Manöver zu missbrauchen. Insbesondere möchten wir auf folgende Punkte aufmerksam machen:

  • Die Unterzeichnenden befürworten eine Annäherung auf Augenhöhe und einen Weg des Dialogs und der Versöhnung zwischen den Republiken des Kosovo und Serbien. Die Modalitäten dieses Prozesses dürfen allerdings nicht dazu führen, dass begangene und noch nicht aufgearbeitete Kriegsverbrechen einer generellen Amnestie zum Opfer fallen.
  • Die Unterzeichnenden appellieren eindringlich an die politischen Verantwortlichen, auf die schnelle Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Serbien und dem Kosovo zu verzichten, wenn dieses droht, die Stabilität der Region zu riskieren. Dies wäre insbesondere dann der Fall, sollte das Abkommen einen ethnisch-geografischen Landabtausch zwischen den Ländern vorsehen. Ein Abkommen irgendwelcher Art muss in den Rückhalt der Bevölkerung geniessen und Rechtsstaatlichkeit und Demokratie jenseits ethnischer Grenzen stärken.
  • Die Unterzeichnenden empfehlen mit Nachdruck die Wahrung der Prinzipien der demokratischen Rechtsstaatlichkeit auf dem Weg zur Lösung der politischen Situation. Wir hoffen und vertrauen auf die Kraft der Institutionen und des Verfassungsgerichts, diese Prinzipien hochzuhalten. Andernfalls führt kein Weg an einer Klärung des Willens der Bevölkerung mittels Neuwahlen vorbei, sobald es die gesundheitspolitische Situation zulässt. Nur eine Regierung mit breiter demokratischer Legitimation, kann den Weg aus dieser politischen Krise weisen.

Die Unterzeichnenden möchten ihren deutlichen Willen zum Ausdruck bringen, die Republik Kosovo auf ihrem Weg der Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Frieden, Stabilität und Freiheit zu unterstützen. Wir verstehen die grosse Frustration des kosovarischen Volkes über die vertane Chance. Wir stehen heute und morgen an der Seite jener, die sich einen politischen Aufbruch wünschen. Wir bitten allerdings die Menschen im Kosovo angesichts der aktuellen Gesundheitgefahren ihre Wut nicht in Gruppen auf die Strasse zu tragen, sondern andere Formen des Protests zu finden.

Wir sehen auch die Verantwortung der europäischen und internationalen Partner*innen des Kosovo und wollen uns für eine entsprechende Politik einsetzen. Die Zukunft des Kosovo liegt in der europäischen Partnerschaft und einem gemeinsamen Weg des Kampfes gegen die Korruption und für eine gute Regierungsführung. Klar ist für uns aber, dass es dafür den deutlich erkennbaren Willen der Machthaber*innen im Kosovo braucht. Machtpolitische Ränkespiele wie das jetzige strapazieren die Geduld und die Bereitschaft zur weiteren Unterstützung zunehmend. Die politische Führung des Kosovo sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein.

Unterzeichner*innen

Cédric Wermuth, Mitglied des Nationalrates, Schweiz (Verfasser)
Nezahat Baradari, Mitglied des Bundestages, Deutschland
Viola von Cramon, Mitglied des Europäischen Parlaments, Deutschland
Tanja Fajon, MEP, Slowenien
Knut Fleckenstein, alt MEP, Deutschland
Romeo Franz, MEP, Deutschland
Metin Hakverdi, MdB, Deutschland
Evin Incir, MEP, Schweden
Ueli Leuenberger, alt Nationalrat, Schweiz
Fabian Molina, Nationalrat, Schweiz
Kati Piri, MEP, Niederlande
Andreas Schieder, MEP, Österreich
Johannes Schraps, MdB, Deutschland
Stefan Schwartze, MdB, Deutschland
Thomas Waitz, MEP, Österreich

Weitere Unterschriften bitte an: cedric.wermuth@parl.ch
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INTERNATIONAL CALL TO RESPECT THE DEMOCRATIC WILL IN THE REPUBLIC OF KOSOVO

We, the undersigned, note with growing concern the political developments in the Republic of Kosovo in recent days. We urgently warn against using the extraordinary situation caused by the coronavirus for political manoeuvres that would damage the country, its reputation and the path to democracy and freedom.

The signatories of this appeal call on all actors involved in Kosovar politics to remain calm and prudent. The current situation bears a high risk of escalation. The government of Lëvizja Vetëvendosje LVV and Lidhja Demokratike e Kosovës LDK has lost the confidence of the majority of the parliament in a regular procedure intended for this purpose. However, the rapid formation of the new government in the midst of the Covid19 pandemic threatens to further undermine the country’s still fragile institutions. Confidence in the political leaders of this government reshuffle has been largely destroyed both domestically and abroad. Any formation of a new government must be in accordance with the constitution of the Republic of Kosovo and have legitimacy through the support of a democratically elected majority.

We therefore urgently warn against abusing this situation for political manoeuvres. We would like to draw particular attention to the following points:

  • The undersigned support a rapprochement on an equal footing and a path of dialogue and reconciliation between the republics of Kosovo and Serbia. However, the modalities of this process must not lead to war crimes committed and not yet processed falling victim to a general amnesty.
  • The undersigned urge the political leaders to refrain from signing an agreement between Serbia and Kosovo quickly if it threatens to jeopardize the stability of the region. This would be particularly the case if the agreement provided for an ethnic-geographical exchange of land between the countries. An agreement of any kind must enjoy the support of the population and strengthen the rule of law and democracy beyond ethnic borders.
  • The undersigned strongly recommend that the principles of democratic rule of law be respected on the way to a solution of the political situation. We hope and trust in the strength of the institutions and the Constitutional Court to uphold these principles. Otherwise, there is no way around clarifying the will of the population by means of new elections as soon as the health situation allows. Only a government with broad democratic legitimacy can show the way out of this political crisis.

The undersigned wish to express their clear will to support the Republic of Kosovo on its path towards the rule of law, democracy, peace, stability and freedom. We understand the great frustration of the Kosovar people at the missed opportunity. We stand today and tomorrow at the side of those who wish to see a new political departure. However, in view of the current health hazards, we ask the people of Kosovo not to take their anger out into the streets in groups, but to find other forms of protest.

We also see the responsibility of Kosovo’s European and international partners* and want to advocate a corresponding policy. Kosovo’s future lies in the European partnership and a common path of fighting corruption and promoting good governance. It is clear to us, however, that this requires the clearly recognizable will of those in power in Kosovo. Power-political intrigues such as the current one are increasingly straining patience and the willingness to provide further support. The political leadership in Kosovo should be aware of this responsibility.

Einer
für alle

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