JA zur Millionärssteuer – ein paar Zahlen aus der Steuerstatistik

Am 23. September stimmen wir im Kanton Aargau über die „Millionärssteuerinitiative“ ab. Initiiert von der JUSO verlangt ein breites Bündnis eine wirklich minimale Anpassung der Vermögenssteuertarife ab 2 Millionen Vermögen. Die Initiative führt zu neuen Steuereinnahmen für Kanton und Gemeinden von bis zu 160 Millionen Franken. Damit könnte der verheerenden Abbauspirale endlich entgegengewirkt werden. Alle Details und Argumente zur Initiative gibt es auf der Webseite. Ich möchte hier in einem ersten Beitrag einen Blick auf die verfügbaren Statistiken werfen.[1]

Über die Verteilung der Vermögen im Aargau sagt uns die Aargauer Steuerstatistik folgendes: 2003 besassen die vermögendsten 5% der Bevölkerung 49% des gesamten Reinvermögens. Das waren damals ca. 38 Milliarden. 2013 besitzen die vermögendsten 6% bereits mehr als die anderen 94% zusammen. Nämlich 55% des gesamten Vermögens. Die Steigerung ist eindrücklich, sie kommen zusammen auf 56.5 Milliarden Reinvermögen – ein Plus von über 18 Milliarden oder fast 22%. Nicht schlecht. Diese krasse Ungleichheit zeigt sich logischerweise auch bei den Einnahmen: Fast eine Viertelmillion Steuerpflichtige im Aargau (239’700) verfügten über gar kein steuerbares Vermögen. Das sind immerhin 67% der Bevölkerung. Weitere 23% (81’600 Personen) bezahlen rund 16% der Vermögenssteuern. Die reichsten 2%, rund 5400 Personen, bezahlen gut 45%.

Die Verteilung sieht man auch sehr schön, wenn man schaut, wieviel im Schnitt ein Steuerpflichtiger pro Vermögensklasse besitzt. Im Schnitt besitzen alle Aargauerinnen und Aargauer ein Reinvermögen von 286’000 Franken. Die untersten 21% besitzen allerdings, wie wir schon gesehen haben, gar nichts. Die 25% mit einem Vermögen zwischen 1000 und 24’000 Franken bringen es im Schnitt auf gerade mal 9000 Franken Vermögen. Weitere 8.3% Der Bevölkerung mit Vermögen zwischen 25’000 und 50’000 Franken besitzen im Schnitt 36’000 Franken. Damit wären wir bei gut 55% der Bevölkerung. Nimmt man alle mit einem Vermögen von weniger als 1 Million (94% der Bevölkerun), kommt man im Schnitt auf 137’000 Franken Reinvermögen Ganz anders ganz oben. Die 6% Reichsten besitzen im Schnitt 2.6 Millionen, jene mit über 10 Mio. Vermögen sogar 27 Millionen.

In drei grossen Runden wurden im Aargau in den vergangenen 20 Jahren die Vermögenden sog. „entlastet“ (mit den Steuergesetzrevisionen von 1998, 2006 und 2012, die 2001, 2007/09 und 2014 jeweils in Kraft traten). Tatsächlich wurden in dieser Zeit auch die Steuern für kleinere Vermögen gesenkt, die Zahlen oben zeigen allerdings, wo die Krux liegt: Da 90% der Bevölkerung über so gut wie kein steuerlich relevantes Vermögen verfügen, hat ihnen die Entlastung auch nur wenig bis nix gebracht.

Interessant ist dabei die zeitliche Entwicklung von Reinvermögen und Steuereinnahmen (siehe Grafik). Bis 2007 entwickeln sich die Einnahmen aus der Vermögenssteuer und der Vermögensbestand im Gleichschritt, dann entsteht die Lücke. Tatsächlich geht mit den Revisionen der Anteil an Steuern am Gesamtvermögen von 0.15% auf 0.13% zurück.

Zuletzt noch ein Wort, man würde mit der Initiative die falschen Treffen, z.B. selbständig Erwerbende. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Vom gesamten Bruttovermögen (inkl. Schulden) der Aargauerinnen und Aargauer entfallen 44% auf Wertschriften und Guthaben, 50% auf private Liegenschaften und nur gerade 3.4% auf das Betriebsvermögen der Selbständigen. Gerade diese Gruppe ist von der Initiative wenn überhaupt nur marginal betroffen.

 

[1] Alle Zahlen entstammen der offiziellen Steuerstatistik des Kantons Aargau.

2 Kommentare zu JA zur Millionärssteuer – ein paar Zahlen aus der Steuerstatistik

  1. Ruedi Meier

    Vermögenssteuer ist unfair!

    Ich habe 46.5 Jahre lang als Arbeitnehmer ohne akademischen Abschluss schön brav gemäss Lohnausweis meine Steuern bezahlt. Nach vielen Jahren Arbeit bei nicht allzu aufwendigem Lebenswandel schafft man es mit viel Eigenleistung sogar zu einem Eigenheim und rutscht dann irgendwann in die Vermögenssteuer hinein. Und das, nur weil man sparsam war und nicht alles auf den Putz gehauen hat. Als alleinstehender Rentner steure ich in der «1.Liga» (verheiratete in der 2.), was ca. 60% mehr bedeutet als ein Ehepaar bei gleichen Zahlen. Meine Rente plus AHV sind deutlich unter dem, was ein Maurer nach der Stifti als Anfangssalär erhält. Wegen des Eigenmietwertes wird mein steuerbares Einkommen derart angehoben, dass ich 25% meiner Realeinkünfte (AHV + PK) dem Fiskus abgeben muss. Mit anderen Worten, um mir endlich auch mal etwas Luxus leisten zu können, muss ich auf den Stock zurückgreifen. Das tut aber die Vermögenssteuer schon. Da wird mir für die Immobilie 18% fiktive Rendite verrechnet. Das Barvermögen wirft 0.1% Zins ab. Beides wird zum Einkommen gezählt. Schlussendlich schraubt man mir noch 0.16% (Vermögenssteuer) am Vermögen ab. Das ist Enteignung! Ich habe jeden Franken, den ich in meinem Leben zusammengespart habe schon lange versteuert!!!
    Und jetzt kommen Sie mit einer Reichtumssteuer. Ich bin gegen Enteignung!
    Dies Abstimmung gehört bachab geschickt!

    Ruedi Meier

  2. Ruedi Meier

    Vermögenssteuer ist unfair!
    Ich habe 46.5 Jahre lang als Arbeitnehmer ohne akademischen Abschluss schön brav gemäss Lohnausweis meine Steuern bezahlt. Nach vielen Jahren Arbeit bei nicht allzu aufwendigem Lebenswandel schafft man es mit viel Eigenleistung sogar zu einem Eigenheim und rutscht dann irgendwann in die Vermögenssteuer hinein. Und das, nur weil man sparsam war und nicht alles auf den Putz gehauen hat. Als alleinstehender Rentner steure ich in der «1.Liga» (verheiratete in der 2.), was ca. 60% mehr bedeutet als ein Ehepaar bei gleichen Zahlen. Meine Rente plus AHV sind deutlich unter dem, was ein Maurer nach der Stifti als Anfangssalär erhält. Wegen des Eigenmietwertes wird mein steuerbares Einkommen derart angehoben, dass ich 25% meiner Realeinkünfte (AHV + PK) dem Fiskus abgeben muss. Mit anderen Worten, um mir endlich auch mal etwas Luxus leisten zu können, muss ich auf den Stock zurückgreifen. Das tut aber die Vermögenssteuer schon. Da wird mir für die Immobilie 18% fiktive Rendite verrechnet. Das Barvermögen wirft 0.1% Zins ab. Beides wird zum Einkommen gezählt. Schlussendlich schraubt man mir noch 0.16% (Vermögenssteuer) am Vermögen ab. Das ist Enteignung! Ich habe jeden Franken, den ich in meinem Leben zusammengespart habe schon lange versteuert!!!
    Und jetzt kommen Sie mit einer Reichtumssteuer. Ich bin gegen Enteignung!
    Dies Abstimmung gehört bachab geschickt!
    Ruedi Meier

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