Rassismus ohne Rasse – Wie Gerhard Pfister mit seiner „Wertedebatte“ die Vorherrschaft des Neoliberalismus sichern will

Dieser Artikel erscheint in Neue Wege Nr.12/2006. Hier geht es zum Abo!

2692071_m1w620q75v32504_20160423050057500Die Bedrohung der „westlichen Lebensweise“ kommt keineswegs von MuslimInnen oder „dem Islam“, wie derzeit Konservative überzeugt sind. Es sind viel eher Marktradiale und rechte Kräfte, welche europäische Errungenschaften wie soziale Sicherheit, Demokratie, Menschenrechte demontieren.

Vor einigen Monaten hat Gerhard Pfister begonnen, eine Debatte über das „christliche Erbe“ der Schweiz anzureissen. «Pfister fordert Verteidigung des Abendlandes», titelte die grösste Boulevardzeitung des Landes (Blick, 02.06.16). Darin wird der CVP-Präsident mit Blick auf die «Gefahr des radikalen Islamismus» wie folgt zitiert: «Wir müssen definieren, was in unserem Land gilt und was unter keinen Umständen gelten darf. Seit einigen Jahren ist der Westen konfrontiert mit Menschen und Gruppierungen, die unser Wertesystem fundamental in Frage stellen.» Und weiter: «Die Schweiz ist ein christliches Land. Dazu sollten wir wieder stehen. Und wir sollten klarmachen, dass wir bereit sind, dieses Erbe zu verteidigen. Wer bei uns lebt, muss lernen, diese christlichen Werte anzuerkennen.»

 

Christliche Werte?

Was Pfister unter einer Leitkultur mit „christlichen Werten“ meint, bleibt auch nach mehreren seiner Auftritte diffus. Die „Verteidigung des Rechtsstaates“ war das einzig konkrete, was man bisher zu hören bekam.

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek schrieb einmal zur „Interpassivität der Idee von Leitkultur“ im Rahmen des migrationspolitischen Diskurs’: „We expect refugees to commit to European values – so we dont’ have to do it.“ Die Einforderung von europäischen Werten gegenüber MigrantInnen befreie uns von der Pflicht, uns selbst an die postulierten Werte zu halten. Žižek meint: Die Projektion gerade eines sehr nebulösen Wertesystems als Bedingung der Integration immunisiere die MigrationskritikerInnen selber gegen Kritik. Pfister zeigt dies exemplarisch auf, wenn er die Respektierung der hiesigen Geschlechtergleichstellung von Seiten der MuslimInnen fordert. Gleichzeitig aber blockieren er und seine Partei seit Jahrzehnten die Umsetzung der verfassungsmässigen Lohngleichheit von Mann und Frau; oder wenn Pfister den Verzicht auf Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele („Rechtsstaat“) fordert, während ausgerechnet VertreterInnen der CVP die Lockerung der Exportbeschränkungen von Kriegsmaterial verlangen, welcher sie vor wenigen Jahren noch zum Durchbruch verhalfen.

Indem durchaus existierende gesellschaftliche Probleme als exklusive Probleme einer Minderheit dargestellt werden, erlaubt der Diskurs alla Pfister, den vermeintlichen Wertezerfall „unserer“ Gesellschaft den „anderen“ in die Schuhe zu schieben. Herrschafts- und Machtverhältnisse werden durch die Spaltung der Beherrschten stabilisiert. Pfisters Erzählung funktioniert auch deshalb, weil sie auf eine uralte Erzählung des eurozentristischen Liberalismus zurückgreift: Hier die aufgeklärte Zivilisation, dort die Barbaren, die man erziehen muss.

 

„Rassismus ohne Rasse“

Gerhard Pfisters Aussagen bergen einen brandgefährlichen, politischen Kern. Die Sozialwissenschaft kennt seit vielen Jahren den Begriff des „kulturellen“ (Adorno) oder „moralischen“ (Marti) Rassismus oder des «Rassismus ohne Rasse» (Balibar, Hall). Gemeint ist damit das Phänomen, dass in modernen Gesellschaften strukturelle Exklusion und Diskriminierung nicht mehr über den Begriff der biologischen Rasse erfolgen, sondern über Konzepte von Nation, Kultur, Religion oder, noch breiter gefasst, von Geschlecht und Klasse („New Racism“). Diese Konzepte werden als fixes und weitgehend unveränderbares Kriterium definiert (zum Beispiel «christliche Werte»). Wer die „falsche“ Kultur oder Religion hat, kann folglich nie ganz zu einer Gesellschaft mit der „richtigen“ Kultur oder Religion gehören. Oder mit Adorno: „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein blosses Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.“ Pfister schlägt genau in diese Kerbe und macht es nur noch schlimmer, wenn er seine Aussagen mit dem Hinweis präzisiert, die „Muslime“ gehören zwar zur Schweiz, „der Islam“ aber nicht.

 

Die alten weissen Männer

Der Missbrauch kulturell-religiöser Selbstversicherung im ständigen Kampf um gesellschaftliche Vorherrschaft und Macht ist nichts neues, im Gegenteil. Er ist wieder salonfähig geworden. Meines Erachtens müssen wir dieses Phänomen als Reaktion auf die neoliberale Globalisierung verstehen: Die Debatte um Migration, Integration und Kultur ist Ausdruck einer Auseinandersetzung um Neuverteilung von Chancen und Ressourcen. Sie ist die manifeste Form, wie hierzulande Segen und Fluch neoliberaler Politik erlebt wird. MigrantInnen oder MuslimInnen werden zum Subjekt eines Verteilungskampfes gemacht, der nicht zwischen Arm und Reich, Süden und Norden, sondern zwischen „ihnen“ und „uns“ ausgetragen wird (Dörre). Dieses reaktionäre Weltbild ist anschlussfähig an bestehende, liberal-sozialdarwinistische Vorstellungen vom Standortwettbewerb: „Nur starke Kulturen gelten als überlebensfähig, Multikulturalismus hingegen schwächt“.

Gerade die Klasse gut situierter, weisser Söhne einer selbsternannten Bildungs- und Leistungselite, wie Pfister einer ist, sehen ihre Privilegien mehrfach bedroht: Sowohl durch Einwanderung oder andere Kulturen, vor allem aber durch den sozialen Aufstieg gut gebildeter Migranten und – noch schlimmer – Migrantinnen. Es ist kein Zufall, dass das Kopftuch kein Problem war, solange es Merkmal einer Klasse war, die unsere Bürogebäude reinigte. Heute sind die Töchter der ersten und zweiten Einwanderungsgeneration aber an den Universitäten und bedrohen die Herrschaft alter Männer. Das Kopftuch- oder Burkaverbot ist in dieser Logik nichts weiter als der Aktualisierungsversuch patriarchaler Herrschaft: Der Schutz der wehrlosen, holden Maid vor den Übergriffen der unzivilisierten dunkelhäutigen Barbaren durch den starken weissen Mann (womit nicht gesagt sein soll, dass es keine legitimen Argumente gegen die Burka gibt).

Auch der Islamismus führt den Kampf um gesellschaftliche Vorherrschaft – gegen die „christliche Kultur“, gegen die „Modernisierung“. Und Pfister spielt mit seiner Wertedebatte genau nach den Regeln der Strategie «Contradiction sharpening» – laut US-Historiker Juan Cole der Universität Michigan führt eine „Schärfung der Widersprüche“ zur Legitimation eigener Weltsicht und Machtposition. Der kulturelle Rassismus beiderseits ist daher nur die Kehrseite derselben Medaille.

 

Was tun?

Pfister versucht mit seiner Wertedebatte jene BürgerInnen anzusprechen, die sich in ihrer „Identität“ bedroht fühlen. Und das geht weit über die „angry white men“ hinaus. Die Linke sollte nicht den Fehler des Linksliberalismus wiederholen, solche Leute als vorgestrig und dumm abzustempeln und die Diskussion dazu abzuwürgen. Die Denkfigur der „christlichen Werte“ dient als Anker angesichts eines diffusen Gefühls des Kontrollverlustes über die eigene Lebensrealität. Es nimmt im Zuge von Krisen des „Marktes“ überhand: Klimakrise, Flüchtlingskrise, Finanzkrise… Den Folgen dieser Krisen sind wir scheinbar hilflos ausgeliefert. Die Politik zur angeblichen Behebung davon wird nicht mehr in den nationalen Arenen entschieden, sondern am Finanzplatz und in Davos. Unsicherheit über die eigene Zukunft und politische Ohnmacht sind die Folgen. Das Absurde besteht darin, dass genau jene, die mit ihrem Programm der wirtschaftlichen und sozialen Destabilisierung vermeintliche Sicherheiten Stück um Stück zerstören, sogleich den Verlust davon beklagen und auf eine Bedrohung „von aussen“ zurückführen. Dort setzt eine erste Antwort der Linken an: Es muss uns gelingen aufzuzeigen, dass die Bedrohung der „westlichen Lebensweise“ – wenn es sie denn gibt – von innen kommt: von den Marktradikalen und der neuen Rechten, die alles in Frage stellen, was eine gemeinsame europäische Kultur an fortschrittlichen Elementen enthält (soziale Sicherheit, Demokratie, Menschenrechte).

Die grösste Bedrohung für die „christlichen Werte“ oder die „westliche Kultur“ in der Schweiz ist nicht der radikale Islam – er ist historisch und kulturell kaum anschlussfähig – und schon gar nicht der Islam an sich. Die grösste Bedrohung für Freiheit und Demokratie hierzulande ist die SVP. Und all jene Kräfte aus der politischen Mitte, die sich aus opportunistischen Gründen bei ihr anbiedern. Ansätze wie das wirtschaftsdemokratische Programm der SP Schweiz, welches sie am Parteitag anfangs Dezember diskutieren will, gehen vor diesem Hintergrund in die richtige Richtung: Es zeigt einen demokratischen, emanzipatorischen Weg für die Aneignung der Kontrolle über die eigene Lebenswelt auf, indem es die ökonomische Verfügungsgewalt wieder in den Rahmen des politisch Verhandelbaren zurückholt.

Zweitens bin ich der Meinung, dass die Linke diesen „Kulturkampf“ bis zu einem gewissen Grad aufnehmen muss und nicht einem vereinfachten Ökonomismus verfallen darf. Das blosse Beharren zum Beispiel auf „der Klasse“ als Referenzgrösse der Politik reicht nicht. Hegemoniale Konzepte strecken ihre ideologischen Diskurse über alle Dimensionen unserer Lebenswelt aus. Deshalb gilt es, auch die Bipolarität der Debatte „Pfister vs. Islamismus“ aufzubrechen und den Kampf um die Definition des „Wir“ aufzunehmen. Die Schweiz muss endlich anerkennen, dass sie von der postmigrantischen Realität eingeholt wurde: MuslimInnen UND der Islam sind längst Teil des helvetischen Alltages.

Alle Menschen sollten in ihrer Vielfalt sowohl auf individueller wie auf kollektiver Ebene als vollwertige BürgerInnen anerkennt werden: Erstens durch die Liberalisierung des Bürgerrechtes – nach wie vor ist ein grosser Teil der MuslimInnen hierzulande davon ausgeschlossen. Zweitens sollten wir über das Verhältnis zwischen Republik und Religion nachdenken. Vor einigen Wochen habe ich den Vorschlag gemacht, das Verhältnis von Staat und Kirche auf der Basis von Nicht-Diskriminierung und Gleichbehandlung neu zu denken. Die Kantone könnten in Zukunft zum Beispiel zwischen einem laizistischen Model (Modell Genf) und der Anerkennung muslimischer Glaubensgemeinschaften (Basel-Stadt) wählen. Das hat mir einiges an Kritik eingetragen. Natürlich laufen wir insbesondere bei der zweiten Variante Gefahr, Menschen plötzlich als MuslimInnen anzusprechen, die sich bisher nicht primär muslimisch verstanden haben. Gleichzeitig aber bietet diese Öffnung auch Chancen: Universitäten könnten für muslimische Theologie geöffnet und damit den tatsächlich existierenden Einfluss extremistischer Kreise, zum Beispiel von wahabittischen Saudis, zurück gedrängt werden. Und es wäre im positiven Sinne Symbolpolitik: Wir alle sind die Schweiz.

 

Literatur:

Theodor W. Adorno: Schuld und Abwehr. Band 9/2, Frankfurt 1975.

Klaus Dörre: Die national-soziale Gefahr. Pegida, Neue Rechte und der Verteilungskonflikt – sechs Thesen, online unter www.theoriekritik.ch.

8 Kommentare zu Rassismus ohne Rasse – Wie Gerhard Pfister mit seiner „Wertedebatte“ die Vorherrschaft des Neoliberalismus sichern will

  1. Philipp Straehl

    Sehr geehrter Herr Nationalrat Wermuth

    Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen: https://cedricwermuth.ch/rassismus-ohne-rasse-wie-gerhard-pfister-mit-seiner-wertedebatte-die-vorherrschaft-des-neoliberalismus-sichern-will/

    Ich bin etwas enttäuscht, dass eine Person mit hoher Intelligenz, so etwas schreiben kann. Weshalb?

    1.) Der Diskurs betreffend „Rassismus ohne Rasse“ wäre in diesen Zusammenhang einfacher und prägnanter als schlichte Diskriminierung dargestellt worden. Adorno zielte doch auch auf etwas anderes ab, als Sie dies in Ihrem Artikel tun.

    2.) Der Islam wird über kurz oder lang zu einer anerkannten Landeskirche in der Schweiz werden. Das gilt es einmal auszusprechen. Ich wünsche Ihnen den Mut dazu.
    Wichtig ist in diesem Zusammenhang klarzustellen, was die Voraussetzungen dafür sind. Diese Diskussion sollte begonnen werden.

    3.) Die Bedenken in der Bevölkerung betr. Islam betreffen eine verschwindend kleine Minderheit der Muslime, welche ihre Religionsgesetze über die Landesgesetze heben will. Dies gilt es zu benennen und zu bekämpfen. Burka, Minarette etc. sind Proxi-Attacken gegen diese Minderheiten und Ihre Versuche dies zu erreichen.
    Es ist ein Problem im Islam gewisser Ausprägung, dass die Religion die Grundlage aller Gesetze ist. Und dies kann zu Problemen mit einer kleinen Minderheit der Muslime führen. Aber diese Auseinandersetzung braucht es.

    4.) Nochmals, Ihr Artikel hat eigentlich nichts mit Neoliberalismus, sondern mit Diskriminierung zu tun. Und Diskriminierung geht durch alles Volksschichten und Wähler hindurch. Es ist kein CVP oder SVP Problem. Diese bewirtschaften es nur. Aber es gibt leider auch Rassisten bei der SP und SP nahen Kreisen.

    5.) Neoliberalismus ist sehr breit. Und er war auch eine der Grundlagen für die soziale Marktwirtschaft. Das Problem in der Schweiz ist nicht der Neoliberalismus. Es ist der (schleichende) Abbau der sozialen Dimension der sozialen Marktwirtschaft.
    Persönlich empfinde ich, dass das was Sie Neoliberalismus nennen eher ein Manchesterkapitalismus ist. Das dieser klar abzulehnen ist, darüber braucht es wohl keine Diskussion.

    Ich möchte mich an diese Stelle für Ihr Engagement für die Schweiz einmal bedanken. Ich habe zwar politisch doch etwas andere Ansichten als Sie, schätze aber Ihr Engagement und Ihre Ehrlichkeit. Und Sie geben mir oft zu denken (im positiven Sinne).

    Mit freundlichen Grüssen Dubai

    Phlipp Straehl

  2. Ruedi Meier

    Sehr geehrter Herr Wermuth
    Nach Ihren Äusserungen in den Medien zum Thema christliche Schweiz und Muslime folgendes
    Ich habe während meines Berufslebens (ausschliesslich in der Privatwirtschaft) in den verschiedensten Funktionen über 50 Länder bereist. Für mich war das eine äusserst interessante Tätigkeit. Lernte ich doch die unterschiedlichsten Lebensweisen, Mentalitäten, Gesellschaftsstrukturen, Klima und Essgewohnheiten sowie viele Menschen kennen. Eine echte Bereicherung kann ich nur sagen.
    In all den vielen Ländern, habe ich mich unterschiedlich wohl gefühlt. In den einen Staaten ist es heiss, in anderen amüsant und angenehm. In den einen Ländern kommt man mit der Arbeit flott voran, in anderen harzt es bedenklich. Dann gibt es auch sehr gefährliche Pflaster, wie z.B. das «Sozialparadies» Venezuela, die bis zur Basis hinunter korrupt sind und man froh ist, nach getaner Arbeit wieder heim zu fahren. Heim – zu Hause eine der wichtigsten Sachen im Leben eines Menschen. «Di hei» – wie man im Dialekt sagt. Es gibt sehr viele Sprachen die diesen Begriff «di heime» gar nicht kennen. Heimat ist der Ort, wo man so spricht wie einem der Schnabel gewachsen ist. Das ist der Ort, wo man mich kennt wie ich bin und mich auch so mit allen meinen Fehlern akzeptiert. Das ist der Ort, wo ich mich selber nicht erklären muss. Ich bin nach all meinen Reisen immer wieder gerne nach Hause gekommen, weil ich erst im Ausland festgestellt hatte, was mir fehlte. Es war zum einen das sichere Leben, die gute Versorgung und zum anderen die Denkweise. Noch wichtiger als das Materielle ist die Denkweise und die gründet in der Schweiz auf dem Christentum. Unsere Auffassung über gut und bös, oder Recht und Unrecht hat seine Wurzeln im christlichen Glauben. Egal ob Herr und Frau Schweizer religiös sind, oder aus der Religion ausgetreten sind, respektive sich als Gutmenschen bezeichnen. Das ethische Rechtsempfinden basiert auf Bibelzitaten und den zehn Geboten. Wir sind mit diesem Gedankengut gross geworden und bis jetzt sehr gut gefahren und haben damit einen Lebensstandard und ein sicheres Zusammenleben erreicht, für das uns auch hochentwickelte Nationen beneiden.
    Ich hatte während meiner Berufszeit auch in Moslemischen Ländern gelebt, wie Irak, Ägypten, Jemen und Saudi Arabien. In letzterem verbrachte ich alles zusammen gut 3 Jahre. Ich hatte da einige gute Freunde kennengelernt, die allesamt sehr religiös sind. Wir diskutierten bei Tee und gelegentlich einer Wasserpfeife sehr viel über Religionen und vor allem über den muslimischen Glauben. In einem Punkt waren sich meine Freunde alle einig, den muslimischen Glauben kann man nur dann seriös leben, wenn alle Bürger nach dieser Religion leben und der Staat, die Gesetzgebung und die Denkweise sich danach richten. Die Gastarbeiter, wie ich einer war, werden nur geduldet solange sie sich auch an die Saudi Gepflogenheiten halten. Ein Beispiel. Der Muslim hat 5 Gebetszeiten pro Tag, die er einhalten muss. Die meisten davon fallen auf die Geschäfts- und Ladenöffnungszeiten. Während den Gebetszeiten werden in SA alle Supermärkte, Läden und Restaurants geschlossen. Das Licht gelöscht und die Rollläden herunter gelassen. Damit das richtig funktioniert, treiben die Mutawa (Religionspolizei) die zögernden Leute mit Schlagstöcken aus den Geschäften. Wir als Gastarbeiter mussten natürlich nicht zum Gebet gehen, durften aber während der Gebetszeit nicht öffentlich rauchen, herumsitzen oder essen. Sie sehen also Herr Wermuth, die Lebensweisen zwischen CH und SA sind äusserst unterschiedlich. Ich kann Ihnen jedoch nicht sagen, welche Lebensweise für die jeweiligen Bewohner der bessere Weg ist. Ich habe einfach festgestellt, mir gefällt unsere Denk- und Lebensweise besser wie wir das hier machen und den Saudis passt ihr Way of Life. Ich habe trotz enger Freundschaft nie einen Saudi etwas Kritisches gegen die Obrigkeit oder ihre Lebensweise sagen hören. Im Gegenteil, die zeigten sehr viel Nationalstolz. Ich möchte keine Minute missen, die ich in SA verbracht habe, aber zuhause ist es am besten.
    Jedes Mal, wenn ich ein Saudivisa beantragt hatte, musste ich nebst eines notariell beglaubigten Aidstests auch ein Formular unterzeichnen. Mit diesem Dokument verpflichtete ich mich an die Gepflogenheiten und Gesetze von SA zu halten. Unter Gepflogenheiten gehören da auch Bekleidungsvorschriften für Männlein und Weiblein dazu. Für Männer galt es immer lange Hosen zu tragen und das Hemd (mindestens Kurzarm) nicht vorne offen zu tragen. Für die Frauen war das die Abaja, ein schwarzer Umhang und ein Kopftuch.
    Wenn ich heutzutage sehe, wie wir in den letzten Jahren von Muslimen überschwemmt werden, gibt mir das zu denken. Ich bin überzeugt von all diesen Einwanderern musste keiner so ein Dokument unterzeichnen, das ihn oder sie verpflichtet sich an unsere Gepflogenheiten und Gesetze zu halten. Da die Denkweise bei Muslimen und Christen sehr unterschiedlich ist, wäre das aber wirklich von Nöten. Die streng muslimischen Länder haben das begriffen und handeln entsprechend, wir offensichtlich nicht. Wir sind so blöd und debattieren sogar noch über die Burka, anstatt sie klar zu verbieten.
    Die Integration der Immigranten basiert auch oft auf Anpassung der «Urbewohner». Kleines Beispiel gefällig. Ich wohne in einem Dorf mit einem Ausländeranteil von 42%. Obwohl wir nur 1500 Ein-wohner zählen, haben wir bereits eine eigene Moschee. Selbstverständlich sind in unserer Feuerwehr auch schon über 10 Mann moslemischen Glaubens aktiv. Nach der alljährlichen Schlussübung im November gibt es nebst Soldverteilung, Beförderungen und Jahresrückblick noch ein Abendessen. Früher waren das so Gerichte wie Bernerplatte oder Hamme im Brotteig mit Kartoffelsalat oder Cordon Bleu. Läuft ihnen das Wasser schon im Munde zusammen? Um nicht eine Zweiklassengesellschaft zu haben und nicht 2 Menüs zubereiten zu müssen, kochen wir jetzt ein moslemkompatibles Rindsgeschnetzeltes mit Reis. Wir passen uns also etwa im Verhältnis 1:5 an. Glauben Sie mir, in SA und vielen anderen Ländern würde so etwas nie passieren.
    Unsere Denkweise ist christlich, egal, ob wir Religionsmitglied sind oder nicht und diesem Gedankengut und dieser Lebensweise sollten wir Sorge tragen.
    Die bekannte Glückskette, welche nach Katastrophen jeweils am Radio zum Einsatz kommt, ist eine typische Sache die auf christlicher Denkweise basiert. Das wäre in vielen muslimisch geprägten Länder absolut undenkbar.
    Dass dem Asylanten aus Pakistan, der kürzlich mit 2 Promille intus eine 62-jährige Frau in Bad-Zurzach unter einen Busch gezerrt und sexuell bedrängt hatte, nicht viel passieren wird, ist jetzt schon klar. In seiner Heimat und vielen anderen muslimischen Staaten, hätte ihn diese Straftat das Leben gekostet. Bei uns gilt jedoch: Der christlich denkende resozialisiert und gibt jedem Gestrauchelten eine neue Chance. Beim Moslem gilt das Gesetz Auge um Auge, Zahn um Zahn.
    Bewahren wir mit allen Kräften unsere Denk- und Lebensweise und zeigen ein gesundes Mass an Nationalstolz und etwas weniger Naivität, ohne überheblich zu werden! Ein Land das keinen Nationalstolz mehr hat, wird vom Ausland nicht mehr respektiert.
    Freundliche Grüsse
    Ruedi Meier

    1. Kamber Urs

      Lieber Herr Meier

      Es stimmt, dass es die Idee war unsere Kultur auf christlichen Werten aufzubauen.
      Es ist zu einfach uns heute aufgrund öffneten moslemischer Kulturen wieder auf verlorenen
      gegangener christlicher Kultur zu definieren. Ich erwarte als Vegetarier nicht, dass an einem Feuerwehrabend die Kollegen kein Fleisch essen. Burkaverbot ist kein christlicher Wert,
      sondern ein Vermummungsverbot aufgrund Hooligans, Terrorismus,Überfällen etc.
      Ein bisschen Reflexion zu christlichen Werten könnte helfen. Da hat es kein Platz für Ausgrenzung, Habgier, Narzissmus, Neid, Eifersucht…..
      Da werden keine Waffen an Staaten wie Sie besucht haben geliefert, da werden überhaupt 
      keine Waffen gebaut. Es werden nicht andere für unseren Überfluss ausgebeutet.
      Christus war ein Sozialist per se der in unserer Kultur mit den Füssen getreten wird. Sich heute
      mit Wohlstandsverlustängsten auf christliche Werte definieren zu wollen lässt sich an Scheinheiligkeit nicht überbieten. Sich mit dem Christentum zu reflektieren lohnt sich.

      1. Ruedi Meier

        Grüetzi Herr Kamber
        Nur noch so viel zu diesem Thema. Wenn Sie zuhause Besuch haben, gilt automatisch Ihre Hausordnung – leuchtet ein! Wer grob dagegen verstossen würd, bekäme nie mehr eine Einladung.
        Interessant ist doch, dass kaum war das Burkaverbot im Tessin in Kraft, die Saudi-Botschaft mittels eines Merkblattes die Saudi-Touristen aufforderte sich an die neuen Richtlinien zu halten. Und siehe da, es gab keine Verstösse, ausser dem enfant terrible aber noch nicht Saudi-Frau Nora Illi natürlich. Das Ehepaar Illi versucht auf ihrem buntgespickten Lebensweg, für sich eine alacarte Lösung zu erreichen und wir sind so blöd und stoppen dieses bireweiche Gehabe nicht, sondern stellen ihnen sogar noch Plattformen in den Medien zur Verfügung. Wichtig ist, wir geben die Hausordnung vor, wie das im Tessin gemacht wurde. Religionsfreiheit hat schliesslich auch Grenzen, oder sollen wir z.B. das Schächtverbot wieder aufheben? Was meinen Sie dazu als Vegetarier?
        Interessant ist doch auch, dass all die Asiaten die bei uns leben und Religionen wie Hinduismus und Budismus praktizieren, sich so geräuschlos in unser System einfügen.
        En schönä Tag
        Ruedi Meier

        1. Urs Kamber

          Vielen Dank für Ihre Reaktion 
          Durch das, dass ich meine Werte lebe, kann ich andere besser verstehen.
          Alle haben Gründe so zu sein wie sie sind. Das Thema Fleisch oder nicht Fleisch,
          schächten oder Hörner ausbrennen, Kühe künstlich schwängern oder Kamele ausbeuten etc.
          unterscheiden sich für mich nicht in meinen Wertvorstellungen. Das Eine macht das Andere nicht besser oder schlechter. So auch Burkas oder Mönchskutten. Unser Zuhause ist von Respekt und Achtsamkeit geprägt und wer das nicht respektiert  will nicht zu uns kommen. Die Iiis werden Ihre
          Gründe haben sich so enorm als Konvertierte ins Zeugs zu legen. 
          Das Gesetze der jeweiligen Länder eingehalten werden müssen versteht sich von selbst.
          Begegnen wir anderen mit Respekt und Verständnis kommt das gut.

          1. Ruedi Meier

            Herr Kamber

            mit Ihnen ist es interessant so fair zu diskutieren. Freuen wir uns auf ein neues Thema.

            Schöns Wuchenänd.

  3. Meier

    Das Problem, an sich wird es in diesem Artikel geradezu überdeutlich- es ist die Teilung der Welt in religiöse und wirtschaftliche Lager! Es wäre längst an der Zeit endlich davon ab zu kommen, und die Welt über die Menschenrechte, den Kinder.- Konsumenten.- und Umweltschutz zu definieren. Vnm!

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