Solidaritätsaufruf Klimastreik

Solidaritätsaufruf Klimastreik Photo by Jon Tyson on Unsplash

Für den 18. Januar ruft das Komitee „Klimastreik“ zu einem schweizweiten Schüler*innenstreik gegen die herrschende Klimapolitik auf. Die Schüler*innen fordern, dass die Politik endlich die Klimafrage ernsthaft angeht. Damit haben sie absolut recht. Ich unterstütze den Klimastreik solidarisch.Die Forderungen von „Klimastreik“ sind glasklar:

  • Null-Emmissionen bis 2030
  • Anerkennung der Klimakrise als globale Katastrophe (Klimanotstand)
  • Anpassungen am Gesellschafts- und Wirtschaftssystem um die Klimakrise zu überwinden

Die Schülerinnen und Schüler treffen mit ihren Forderungen den Nagel auf den Kopf. Denn, etwas grob formuliert, könnte man fragen: Welchen Sinn macht ihre Ausbildung noch, wenn die Politik nicht in der Lage ist, einen Planeten lebenswert zu erhalten, auf dem sie mit ihrer Ausbildung überhaupt noch etwas sinnvolles anfangen können?

Tatsächlich steckt die Klimapolitik in einer ideologischen Sackgasse. Und dabei sind nicht einmal die Klimaleugner das Hauptproblem. Sicher, die Leugnung der Klimaerwärmung oder/und des menschlichen Einflusses darauf ist abstossend. Aber das tut, auch in Bern, nur eine Minderheit. Viel verheerender wirkt sich die „liberale“ Ideologie der Mehrheit aus. Sie sagt im Grunde, ja, der Klimawandel findet statt, ja, er ist verheerend, aber machen können oder wollen wir nichts. Alles, was wir tun, ist darauf vertrauen, dass der freie Markt irgendwann, irgendwas, irgendwie regeln wird. Oder eben auch nicht. Im Endeffekt ist das genauso das Todesurteil für den Planeten.

Die Klimapolitik krankt noch an einer zweiten ideologischen Blockade. Hauptsächlich diskutiert werden technologische Innovationen, die den weiteren Ausstoss von klimaschädlichen Emissionen eindämmen oder verhindern sollen. Das wird dummerweise aber nicht reichen. Die Ökonom*innen nennen die Summe aller in einer Volkswirtschaft verbauten Investitionen, also Maschinen, Häuser, Fahrzeuge, den Kapitalstock einer Volkswirtschaft. Angenommen, wir ersetzten jedes Jahr 5 Prozent des globalen Kapitalstocks (was viel ist), mit neuen Investitionen, die um die Hälfte weniger Emissionen produzieren. Damit würde der globale Emissionsausstoss theoretisch pro Jahr um 2,5 Prozent sinken. Erfahrungsgemäss wächst die globale Wirtschaft (und mit ihr der Kapitalstock) jährlich aber im Schnitt um rund 3 Prozent. Damit sinkt der Effekt der neuen Technologien in unserem Beispiel auf knapp 1 Prozent Emissionsreduktion pro Jahr. Nötig wären – je nach Studie – etwas zwischen 5 und 10 Prozent über mehrere Jahrzehnte, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen.

Das zeigt: Das Klimaproblem ist unter den Bedingungen des heutigen real existierenden globalen Kapitalismus nicht zu lösen, genau wie die Schüler*innen schreiben. Sie machen aus der Klimadebatte damit endlich das, was sie längst sein sollte: Eine Debatte über die Grenzen des Ressourcenverbrauches und eines Wirtschaftssystems, das den Planeten an den Abgrung führt. Dafür gebührt ihnen Dank und Respekt.

Der Schüler*innenstreik hat meine volle Unterstützung. Ich rufe alle Schüler*innen der Schweiz dazu auf, sich an den Aktionen zu beteiligen. Und alle Schulleitungen und Lehrer*innen sich an den Grundauftrag öffentlicher Bildung zu erinnern: Die Befähigung junge Menschen für ihre Rechte einzutreten. Genau das machen die Schüler*innen. Strafen und Verbote für die Klimaktionen wäre das dümmste Signal, das die „Alten“ an due Jungen senden könnten.

 

Cédric Wermuth von Zofingen ist SP-Nationalrat. Er kandidiert 2019 für den Ständerat.

Ein Kommentar zu Solidaritätsaufruf Klimastreik

  1. Avatar
    Ruedi Meier

    Bravo!!!
    Ich finde es sehr gut, dass die Jugend beginnt sich mit der Umwelt und ihrer Zukunft zu befassen, denn nur sie ist es, die eine Veränderung der heutigen Lebensweise des Homo Sapiens herbeiführen kann. Die Zukunft gehört der Jugend, das war schon immer so, denn die Alten sterben laufend weg.

    Sie sagen es richtig, man soll die Schüler nicht bestrafen, wenn die, statt während ihrer Freizeit zu demonstrieren, den Unterricht dazu schwänzen. Dem Unterricht fern bleiben ist ja grundsätzlich Selbstbetrug – das ist «Strafe» respektive Entbehrung genug und muss nicht noch zusätzlich sanktioniert werden.

    Dafür sollte man aber in der Schule das Thema seriös aufgreifen und die Schüler zu entsprechenden Arbeiten motivieren, damit sie sich ernsthaft mit der Materie auseinandersetzen können. Denn einfach nur als Schnellschuss einen Forderungskatalog aufstellen, mit dem man auf die Strasse geht ist das eine, wo man aber selbst einen Beitrag zu wirksamen Veränderungen leisten kann das Andere.

    Eine Veränderung unseres Weltenlaufes ist aber nur mit entsprechenden Verzichten und Lebensumstellungen möglich. Und die sollte man möglichst als junger Mensch schon vollziehen, denn je älter man wird je mehr tut das weh.

    Als ich in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Schulbank gedrückt hatte, kamen wir mit viel weniger Energie aus als heute. Im Winter waren z.B. die Schulstuben höchstens 16-18 Grad C warm. Könnte man heute auch wieder einführen, würde einiges einsparen. Auch die unzähligen Mami-Taxis von und zur Schule könnte man der Umwelt zuliebe ersatzlos streichen.

    2018 war bei uns in der Schweiz trotz Trockenheit ein absolut fruchtbares Jahr. Ich habe während meinem ganzen Leben noch nie eine so reichhaltige Fülle an Früchten von Superqualität gesehen. Äusserst traurig finde ich aber, dass ein sehr grosser Teil dieser Ernte, vor allem bei den Wildfrüchten und älteren Obstbäumen verrottet ist, weil sie niemand gepflückt hat. Wenn ich an die heutige überrissen unnötige Vielfalt an Lebensmitteln denke, die aus der ganzen Welt herangekarrt oder geflogen wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Praktisch jede Frucht- und Gemüsesorte ist fast rund ums Jahr erhältlich. Die neue Spargelsaison beginnt schon bald nachdem die vorangegangene geendet hat. Die jetzige Fasnachtschüechli-Saison hat schon im letzten Oktober begonnen – scheinbar ein Kundenbedürfnis. Ich behaupte Bedürfnisse, vor allem unnötige, werden geschaffen.

    Ergo die Jugend hat es in der Hand sich wieder nach naturgegebener Saison zu richten, mehr lokal zu produzieren und zu verbrauchen und alles unnötig hergeflogene und Junkfood zu verweigern. Das allein schon würde sehr viele Ressourcen einsparen.

    Ich glaube den jungen Generationen bleibt gar nichts anderes übrig als bald bis mittelfristig auf etlichen unnötigen Luxus zu verzichten.

    Ich wünsche den heutigen jungen Leuten viel Erfolg dabei, auch wenn er nicht einfach zu haben ist.

    Ruedi Meier

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