Welche humanitäre Tradition?

Der australische Philosoph Peter Singer beschrieb bereits vor mehreren Jahren folgende fiktive Geschichte: Stellen Sie sich vor, Sie gehen gerade an einem Teich vorbei. In diesem Teich sehen Sie ein Kind, das am ertrinken ist. Weit und breit ist ausser Ihnen niemand. Natürlich wollen Sie handeln. Das Problem ist aber: Sie tragen 600 fränkige Schuhe von Bally. Die Frage, die Singer stellt, erscheint geradezu abstrus: Dürften wir aus moralischer Perspektive darauf verzichten, das Kind zu retten, weil dabei unsere 600 fränkigen Schuhe ruiniert würden? Jede und jeder bei klarem Menschenverstand würde antworten: Nein, natürlich nicht. Das Leben des Kindes geht in jedem Fall vor. Mehr noch: Selbstverständlich würden wir das Kind nach Hause nehmen, es füttern, ihm trockene Kleider geben und es – solange bis seine Eltern eintreffen – beherbergen. Niemand würde fragen, woher das Kind kommt oder was es vorher so alles gemacht hat.  (mehr …)

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